Im Nachhinein

England raus. Grund zur Freude? Im Nachhinein eher nicht.

Weil England einfach dazugehört? Das tun sie nicht, zumindest nicht mehr in dieser Form. Und irgendwie ist es ganz wohltuend, dass die Briten jetzt endlich kapieren müssen, dass ihre Nationalelf längst nicht mehr zur Weltspitze gehört.

Nein, richtig freuen kann ich mich nicht, weil statt ihrer die Russen sich qualifizierten. Sicher, sportlich ist das nicht unverdient. Politisch aber ist es eine Katastrophe, dass diese "lupenreine Demokratie" sich propagandistisch in Europas Mitte proflieren darf. Wer die Nachrichten aus Russland der letzten Monate verfolgt hat, dem wird zwangsläufig schlecht. Erpressung mit Energie, Verfolgung von Oppositionellen und Journalisten, nationalistische Verklärung der Vergangenheit in den neuen Schulbüchern, Zerstörung eines Naturschutzgebiets für die olympischen Winterspiele in Sotschi, stalinistische Ikonenverehrung für Putin in gesteuerten Jugendorganisationen, Entwicklung neuer Superbomben, (angebliche) Vergiftung von sportlichen Kontrahenten wie Tommy Haas vor dem Davis Cup Halbfinale, die Bildung von mafiösen Strukturen von korrupten Politikern und Wirtschaftsbossen, wachsender Rassismus in der Gesellschaft wie beim Verkaufsverbot für Ausländer auf russischen Märkten, Rekrutenfolterexzesse in der Armee und schließlich der brutale Krieg in Tschetschenien.

Wie bitte soll man sich da für den Erfolg einer russischen Nationalelf freuen können? Ich kann es nicht. Und genau deshalb tut es mir leid um England. Wenigstens ein bisschen.

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